Sie sind nicht beide evangelisch:

  1. ein Partner ist katholisch:
      
  2. Sie müssen sich zwischen einer evangelischen Trauung unter Beisein eines katholischen Geistlichen oder einer katholischen Trauung unter Beisein eines/einer evangelischen Geistlichen entscheiden. Der Unterschied besteht aus katholischer Perspektive darin, wer den eigentlichen Trauakt (das Auflegen auf Ihre Hände mit der segnenden Hand bzw. Stola) vornimmt, nicht in der Wahl des evangelischen oder katholischen Gebäudes. Für eine rein evangelische Trauung brauchen Sie als katholischer Partner ein Dimissoriale (als evangelische Pfarrer sind wir gehalten, Sie darauf hinzuweisen).
    In der Praxis spielt dies selten eine Rolle. Nach unserer Erfahrung sind auch die katholischen Kollegen Ihnen zuwandt und daran interessiert, diesen besonderen Tag in Ihrem zu einem besonders schönen Tag werden zu lassen. Das katholische Formular, das der Kollege ausfüllen muß, enthält zwar die Aufforderung, Ihre Kinder (wenn Sie welche bekommen) katholisch zu taufen und zu erziehen, aber nicht umsonst ist auch die Lebensordnung unserer Landeskirche nur im Punkt Trauung noch nicht überarbeitet. Die Wirklichkeit verändert sich schneller als Gesetzestexte und bürokratische Vorschriften und wir Pfarrerinnen und Pfarrer als "Gottes Bodenpersonal" sind zuhörbereit für das, was Sie angeht.
    Einen wichtigen Unterschied gibt es allerdings zwischen katholischer und evangelischer Praxis: die Trauung Geschiedener, bei der die Evangelische Kirche die liberale Position bezieht. Jesus hat die Scheidung verboten – im Unterschied zur damaligen Praxis (siehe z.B. Matthäusevangelium Kapitel 5,31 und 32). Ein Motiv war sicher der Schutz der Frau, die einfach ohne Begründung weggeschickt werden konnte, in eine völlig verarmte und unversorgte Existenz. Wenn Menschen heute die Ehe schließen, das Wagnis des Vertrauens eingehen, dann tun sie das nach unserer Erfahrung mit der festen und tiefen Absicht, daß dies von Dauer sei, daß damit Verläßlichkeit und Heimat geschaffen sei, daß man trotz aller Schwierigkeiten aneinander ein Leben lang wachsen könne. Daß trotzdem mehr als ein Drittel aller Ehen in Deutschland geschieden werden, ist gesellschaftliche Realität und schafft erhebliche seelische Verletzungen, nicht zuletzt bei den Kindern. Der Jesus, den wir aus den Evangelien kennen als den, der Sünder und Zöllner wieder in das Volk Gottes integriert, wäre der letzte, der verurteilend statt helfend und heilend mit dieser Wirklichkeit umgehen würde. Deshalb ist es nach evangelischer Auffassung legitim, auch für eine neue Partnerschaft um Gottes Segen zu bitten.
     
  3. ein Partner gehört einer Kirche an, die zur Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen gehört (die meisten evangelischen Freikirchen gehören dazu)
    Auch hier sind ökumenische Gottesdienste möglich, die im Einzelnen abgesprochen werden können.
     
  4. ein Partner gehört einer anderen oder gar  keinen Religionsgemeinschaft an Grundsätzlich ist auch hier eine Trauung möglich, insofern wir Trauung verstehen als die Bitte um Gottes Segen für Ihre Partnerschaft. Wichtig ist hierbei eine gründliche Absprache mit Ihrem Partner, damit dessen Gewissen nicht vergewaltigt wird. Auch interreligiöse Trauungen sind möglich, am leichtesten sicher mit jüdischen Partnern (wegen der inhaltlichen Nähe), aber auch mit muslimischen oder buddhistischen
    denkbar.
      
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